Mitreden, Mitentscheiden und Mitgestalten – Einflussfaktoren für eine gelingende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im kommunalen Raum

By | 31. Oktober 2014

Strichmännchen hüpft über IPadsDie Beteiligung von Jugendlichen an Aktivitäten und Entscheidungsprozessen im kommunalen Raum bestärkt deren politisches Interesse und nutzt und fördert die Stärken jedes Einzelnen sowie die Fähigkeit, mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten und sich aufeinander einzulassen.

Eine Kommune lädt an einem Wochentag – einem ganz normalen Schultag – die Jugendlichen zu einem eintägigen Jugendforum ein. Das Forum startet frühmorgens, und die teilnehmenden Jugendlichen werden vom Unterricht befreit. Auf den Plakaten zum Forum steht: „In Zukunft mit UNS“. Es geht darum, die Perspektive der Jugendlichen in die Entwicklung einer Gemeinde, eines Dorfs, einer Stadt mit einzubeziehen: „Wie lebe ich in meiner Stadt? Was möchte ich schon immer mal der Politik sagen? Und wo sehe ich Handlungsbedarf?“ – diese Leitfragen beschäftigen die Jugendlichen am Vormittag in einem World-Café und in thematischen Vertiefungs-Workshops. „Was ist zu tun? Wie soll es aussehen? Und wen brauchen wir noch dazu?“ – mit diesen Fragen werden auf einem Flip-Chart einzelne Themen konkretisiert. Am Ende dieser Arbeitsphase gibt es eine Präsentation der Workshop-Ergebnisse vor dem/der (Ober)Bürgermeister/in, den GemeinderätInnen, interessierten Erwachsenen der Gemeinde und insbesondere vor den SchulvertreterInnen, die auch sehen wollen und sollen, was „ihre“ Jugendlichen erarbeitet haben.

Einladen, ermutigen und inspirieren

Jugendliche werden eingeladen und können mitreden, mitentwickeln und mitgestalten. Jugendliche werden ermutigt, ihre Sicht auf die Gemeinde/auf die Stadt zu formulieren und werden inspiriert, Ideen einzubringen. Wenn die Jugendlichen ihre Ergebnisse vorstellen, zeigen sie den Erwachsenen, was ihre Ideen und Anliegen sind, und tragen somit zur Gemeindeentwicklung bei. Dies ist nicht in allen Kommunen selbstverständlich. Aber es geschieht zunehmend in immer mehr baden-württembergischen Kommunen, dass sich Jugendliche nicht nur in Jugendgemeinderäten an der kommunalen Entwicklung beteiligen können, sondern auch innerhalb vielfältiger offener Beteiligungsformen.

„Wenn Kinder und Jugendliche wieder erleben können, dass sie nicht ständig wie Objekte belehrt, gemaßregelt, beschult und erzogen werden, sondern dass sie in ihrer Kommune von anderen Mitgliedern beachtet und wertgeschätzt werden, wenn ihnen zugetraut würde, Aufgaben zu übernehmen, die für die Kommune und das kommunale Leben wichtig sind, dann könnte sich jedes Kind und jeder Jugendliche als jemand erfahren, der mit seinen besonderen Talenten, mit seinen erworbenen Fähigkeiten und seinem bisher angeeigneten Wissen in dieser besonderen Weise zum Gelingen von etwas beitragen, was nur in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen kann.“ (Gerald Hüther, Kommunale Intelligenz, Seite 41, 2013)

Die Jugendlichen entwickeln unterschiedliche Ideen und Lösungen zu bestimmten Themen und finden so heraus, wo und wie sie sich weiter engagieren wollen. Die Präsentation der Workshop-Ergebnisse zeigt den Erwachsenen, welche Vorstellungen die Jugendlichen von der Zukunft der Kommune haben. Die Erwachsenen honorieren mit Wertschätzung die Arbeit der Jugendlichen und greifen deren Anliegen auf. Nach dem Forum bilden sich dann meist generationsübergreifende Arbeitsgruppen, die aus Themen ganz konkrete Projekte entwickeln. Jugendliche und Erwachsene, meist die politisch Verantwortlichen und MitarbeiterInnen der Verwaltungen, arbeiten hier ganz konkret zusammen.

Wenn viele (junge) Menschen in einem Raum zusammen arbeiten, dann ist dies politische Bildung und Dialog mit den politischen Verantwortlichen. Dies bestärkt das politische Interesse der Jugendlichen, nutzt und fördert die Stärken jedes Einzelnen sowie die Fähigkeit, mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten und sich aufeinander einzulassen.

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist ein Gebot unserer Zeit!

Es geht im Eigentlichen darum, dass sich junge Menschen mit ihrem Lebensraum identifizieren und sich zu kritischen, interessierten und engagierten (jungen) Bürgerinnen und Bürgern entwickeln können. Es geht um Gegenwart und Zukunft zugleich, denn die jungen BürgerInnen brauchen Lebens- und Dialogräume in der Kommune. Je positiver dabei diese Räume erfahren werden, umso größer ist die Identifikation mit dem Gemeinwesen. Dabei stehen Mitreden, Mitentscheiden und Mitgestalten im Mittelpunkt.

Kinder und Jugendliche sind als junge, sensible und wache Mitglieder der Gesellschaft von Anfang an Teil der Gemeinde und sollten möglichst früh auch bei öffentlichen Angelegenheiten mit einbezogen werden. Anknüpfungspunkte bestehen schon im Kindergarten, in der Grundschule sowie im außerschulischen Bereich. Bildung, Beteiligung und die Möglichkeit zum Engagement wirken sich positiv auf die Entwicklung aus und tragen mit dazu bei, dass aus den Kindern und Jugendlichen mündige und politisch interessierte Jugendliche und Erwachsene werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Gemeinde eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht und dies z.B. auch in ihren Satzungen verpflichtend verankert. Wenn Kinder und Jugendliche diesbezüglich positive Erfahrungen gemacht haben, so kann das positive Auswirkungen auf ihre Engagementbereitschaft im Erwachsenenalter haben.

Dieser Beitrag steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-ND 3.0 DE (Namensnennung, keine Bearbeitung)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


6 × = zwanzig vier