Jugendbeteiligung als Dienstleistung? Potenziale, Hürden, Erfolge

By | 17. November 2014

IJAB32»Ältere, die keinen Kontakt zu Jüngeren haben, werten Junge ab und können nicht verstehen, dass sich Dinge entwickeln. Vielleicht ist es ja mit der Politik und den Politikern genauso.« Julia, lebt in Blumenthal in der Eifel

Ergebnisse aus dem Projekt Junge Deutsche 2012/13 machen sichtbar, dass junge Leute selbst ihre Lebenssituation im Dialog mit anderen erforschen und sich für eine Verbesserung einsetzen.

Ziel des Projekts ist, junge Menschen aktiv einen demokratischen Meinungsbildungsprozess gestalten und erleben zu lassen und sie zur politischen Beteiligung zu befähigen. Mit Ergebnissen in Zahlen und Geschichten setzen sie sich für ein besseres Leben und Erwachsenwerden in Deutschland ein, lokal und national.

Doch wie ist die Beteiligung vor Ort? Was machen Jugendliche eigentlich so in Blumenthal?

Dazu erklärt Julia: »Aktivitäten gibt es hier nicht, es gibt keine Jugendgruppen und keine Orte, wo man hingehen kann.« Früher haben Katharina und Julia eine Tanzgruppe für Kinder in einem Jugendclub angeboten, doch dafür gab es bald keine Räume mehr: Alle Jugend- und Freizeitangebote seien abgeschafft worden. – »Man muss 18 sein und ein Auto haben, sonst kommt man hier nicht weit«, so Julia. Es gibt keinen öffentlichen Personennahverkehr: »Wenn man aus dem Kindergartenalter raus ist, gibt’s keine Angebote mehr.«

Seit 2011 betreut die SJB die Peer Scout Ausbildung.

Um für Beteiligung und Partizipation zu sensibilisieren, setzt die Servicestelle Jugendbeteiligung (SJB) daher vermehrt auch Projekte mit digitalen Elementen und ePartizipation um.

Im Projekt SchülerHaushalt sammeln SchülerInnen auf einer Webseite u.a. Verbesserungsvorschläge in der Schule und stimmen im Anschluss darüber ab. Viele Schulen konnten bereits auf die erarbeitete Methodik und Handreichungen der SJB in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung zurückgreifen.

Der SchülerHaushalt wurde als Pilotprojekt gemeinsam mit der Stadt Rietberg und vier Schulen sowie der Gemeinde Wennigsen (am Deister) und einer Gesamtschule durchgeführt. Die dabei entwickelten Konzepte und Materialien stehen nun anderen Kommunen für die Durchführung eines eigenen SchülerHaushaltes zur Verfügung.

Im Rahmen des SchülerHaushaltes erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, über die Verwendung eines zuvor festgelegten Budgets selbst zu entscheiden.

In Rietberg und Wennigsen wurden hierzu 7.000 Euro pro Schule bereitgestellt. Alle Schülerinnen und Schüler waren anschließend gefragt, Vorschläge für die Verwendung dieses Budgets einzureichen. Nach einer zwei- bis dreiwöchigen Phase des Einreichens und Diskutierens von Vorschlägen stimmten die Schülerinnen und Schüler über ihre Favoriten im Rahmen eines klassischen Wahlvorgangs ab und legten damit die besten Vorschläge pro Schule fest. Diese wurden anschließend zusammen mit der Stadt- und Schulverwaltung ausgearbeitet.

Mit dem SchülerHaushalt verfolgt die SJB das Ziel, Kindern und Jugendlichen mehr Möglichkeiten der Gestaltung und Mitbestimmung in ihrem Umfeld zu geben und dabei demokratische Prozesse u.a. durch ePartizipation erlebbar zu machen.

IMG_3820Die Servicestelle Jugendbeteiligung e. V. besteht seit 2001 und versteht sich als Dienstleisterin von Jugendlichen für mehr Jugendbeteiligung in Deutschland mit dem Ziel, jugendliches Engagement zu professionalisieren. Der Verein informiert, berät, qualifiziert und vernetzt Jugendliche auf Augenhöhe und setzt selbst (Modell-)Projekte auf kommunaler, Landes- und Bundesebene um. Außerdem engagiert sich die SJB auf politischer und gesellschaftlicher Ebene sowie in diversen Gremien für Jugendengagement und Partizipation. Das Team ist jugendlich – niemand ist älter als 27 Jahre –, arbeitet ehrenamtlich neben Studium, Ausbildung, Job oder auf Basis eines Freiwilligendienstes und unabhängig von Parteien und Verbänden.

Dieser Beitrag steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-ND 3.0 DE (Namensnennung, keine Bearbeitung)

Marc Ludwig
Author: Marc Ludwig

Marc D. Ludwig ist ehrenamtlicher Vorstand der Servicestelle Jugendbeteiligung e.V., einer Organisation mit dem Ziel der Professionalisierung unabhängiger jugendlicher Projektarbeit. Als ausgebildeter Veranstaltungskaufmann arbeitet er im Bereich der Stadtentwicklung in der Stiftung SPI (Sozialpädagogisches Institut Berlin – Walter May) und setzt dort Modellprojekte zu ePartizipation um. Er berät darüber hinaus u.a. bundesweite Stiftungen sowie lokale Institutionen bei der Planung und Durchführung von Projekten, die Jugendliche aktiv mitgestalten sollen.

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