Jugend hackt: Gemeinsam mit Code die Gesellschaft gestalten und hinterfragen

By | 9. November 2014

Junge jongliert mit TablettsWährend in Deutschland vom Bund geförderte Wettbewerbe wie Jugend forscht und Jugend musiziert begabte Jugendliche in ihrem jeweiligen Interessengebiet in großen Rahmen fördern und featuren, ist die Nachwuchsförderung für Talente der Softwareentwicklung schmerzlich unterrepräsentiert. Junge Programmiererinnen und Entwickler haben kaum Anlaufstellen zur Förderung und Vernetzung. Und so geht es den Jugendlichen heute wie den Nerds in den 1980er Jahren – die allermeisten von ihnen eignen sich die Fähigkeit zur Computerprogrammierung noch immer allein im Kinderzimmer an. Im Jahr 2013 hat die Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. deshalb gemeinsam mit Young Rewired State aus Großbritannien das Förderprogramm Jugend hackt für programmierbegeisterte Menschen zwischen 12 und 18 Jahren ins Leben gerufen.

Im Rahmen von Jugend hackt entwickeln die Teilnehmer/innen eine eigenständige Projektidee in einem politisch relevanten Themenfeld, die sie mithilfe ihrer Software- oder Hardwarekenntnisse umsetzen. 2013 haben 63 Jugendliche aus 12 Bundesländern gemeinsam ein Wochenende in Berlin verbracht. Im September diesen Jahres waren es bereits 120 Jugendliche aus 16 Bundesländern, Österreich und den Niederlanden. Die Verdopplung der Teilnehmerzahl zeigt es an: Der Bedarf an technischer Weiterentwicklung und Austausch mit anderen Gleichgesinnten ist außerordentlich hoch.

Kluge Ideen zu relevanten Themen

Wie viel Geld gibt die Regierung für Bildung aus, und was hat das mit der Arbeitslosigkeit in deinem Land zu tun? Wieso haben einige Vornamen einen schlechteren Ruf als andere? Um diese und andere Fragen zu beantworten, braucht es nur gesellschaftliches Interesse und Programmierfähigkeiten − sofern es eine Datengrundlage gibt. Das Interesse an Gesellschaft und den Spaß an Programmierung bringen die Jugendlichen von Jugend hackt im Übermaß mit. Auf der letzten Veranstaltung im September 2014 wurden auf der Abschlussveranstaltung insgesamt 27 Projekte vorgestellt. Egal, ob es um die Themen Überwachung, Gesundheit, Bildung, Gesellschaft, Umwelt und Freizeit geht: Die Jugendlichen haben demonstriert, dass sie nicht nur gut mit Computern umgehen können, sondern auch einen wachen und kritischen Blick auf die Gesellschaft haben.

Eine Projektgruppe hat eine intelligente Pillenbox entworfen, die für demenzkranke Menschen die korrekte Tablettendosis automatisch ausgibt – und einen Notruf absetzt, wenn die Tablette nach einer bestimmten Weile noch immer im Ausgabefach liegt. 12-jährige Zwillinge und ein 15-jähriger Junge haben eine Anwendung gebaut, mit der es in Minecraft regnet, wenn es draußen regnet. Wieder ein anderes Team hat sich mit Fallpauschalen in Krankenhäusern beschäftigt und eine Webseite gebaut, die anzeigt, wie viel Geld mit welchen Behandlungen eingenommen wird. Und die Gruppe Awearness hat am 3D-Drucker ein Armband ausgedruckt, das vibriert, wenn Überwachungskameras in der Nähe sind.

Code und Ethik

Zwei wichtige Botschaften gehen von Jugend hackt aus: Hier wachsen Jugendliche heran, die digital mündig sind. Und: Die nächste Generation setzt sich nicht nur mit ethischen Fragen der allumfassenden Technisierung, sondern auch mit der gesellschaftlichen Verantwortung ihrer eigenen Fähigkeiten auseinander. In times of surveillance, the kids are alright.

Foto: Leonard Wolf (Lizenz: CC 3.0)

Foto: Leonard Wolf (Lizenz: CC 3.0)

Dieser Beitrag steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-ND 3.0 DE (Namensnennung, keine Bearbeitung)

Maria Reimer
Author: Maria Reimer

Maria Reimer arbeitet für die Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. und ist dort Projektleiterin von Jugend hackt, einem Förderprogramm für gesellschaftlich interessierte Programmiertalente zwischen 12 und 18 Jahren. Die Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Informationsfreiheit aller Bürger/innen in der digitalen Gesellschaft einsetzt. Maria Reimer hat Politikwissenschaft studiert und ist ehrenamtlich im Führungskreis der Anti-Korruptionsorganisation Transparency Deutschland aktiv.

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